Antisemitismus beginnt mit Gerüchten über Juden

„Antisemitismus beginnt mit Gerüchten über Juden“ – Deutschrapper Ben Salomo am Elly

Vor 250 Schülerinnen und Schülern der Jahrgänge 9, 10 und 12 hielt der Sänger, Moderator und Buchautor Ben Salomo, geb. 1977 in Israel als Jonathan Kalmanovich, einen zweistündigen Vortrag über sein Leben, das immer wieder von antisemitischen Erlebnissen geprägt war. Seit er seine erfolgreiche Battle-Rap-Veranstaltung „Rap am Mitwoch“ im Mai 2018 aufgrund zunehmender Hetze eingestellt hat, besucht er Schulen und Mittler der politischen Bildung, um vor der Verharmlosung antisemitischer Äußerungen und Vorfälle in der deutschen Gesellschaft zu warnen.

Ehrlich und ungeschminkt sind seine Aussagen, wenn er in der Sprache seiner jungen, faszinierten Zuhörer aus seinem Leben erzählt. „Man muss über gewisse Dinge sprechen“, sagt Ben Salomo, „weil sich auf Hass nichts Positives aufbauen lässt.“ So berichtet er über seine immer wiederkehrende Verzweiflung und Verständnislosigkeit, wenn ihn wiederholt vermeintlich gute Freunde verbal oder auch physisch angegriffen haben, nachdem er bestätigt hatte, Jude und Israeli zu sein. Auch als er mit fünf Jahren einen jüdischen Kindergarten in Berlin besuchte, der von Polizisten mit Maschinenpistolen geschützt werden musste, fragte er sich: Warum mögen viele Menschen Juden nicht? Kein Laut ist in der Aula zu hören, als er von seinem Großvater erzählt, dem als 13-Jährigem von einem deutschen Wehrmachtssoldaten die Schneidezähne ausgeschlagen wurden, kurz nachdem sein Zwillingbruder im Ghetto Bershad an Typhus gestorben war. Immer wieder fragt der auf Vermittlung der Friedrich-Naumann-Stiftung ans Elly Gekommene seine Zuhörer ganz direkt, bezieht sie ein. „Wie viele von euch kennen einen Juden persönlich?“ (15 von 250) „Aber wer kennt Gerüchte über Juden?“ (fast alle). Und immer wieder, am Gymnasium, in der Realschule oder in Berliner Hinterhöfen die gleiche Erfahrung bei antisemitischen Äußerungen oder Aggressionen: leugnen, bagatellisieren, Feigheit! „Ich will nicht, dass meine vierjährige Tochter die gleichen Erfahrungen wie ich macht. Deswegen müssen junge Leute alte Denkmuster abschütteln. Ihr müsst alte Denkmuster abschütteln“, ruft er seinen jugendlichen Zuhörern zu. Auch zu größerer Skepsis bzgl. der Medienberichterstattung gegenüber Israel ruft er auf. Und „über bestehende Probleme muss man Reden – ohne Hass.“
Ende der 90er Jahre führte der Weg den damals Zwanzigjährigen in die sich gerade entwickelnde Rap-Szene. Damals sei die Szene offen gewesen, Leistung wurde anerkannt. Seit den Anschlägen des 11. September 2001 habe sich die Fan-Base gewandelt, zunehmend militaristisch-terroristische Texte, frauenverachtend und Drogen und Gewalt verherrlichend sei sie geworden. Aufgrund dieser Entwicklungen und zunehmender Hetze im Internet gegen ihn persönlich gab er seine sehr erfolgreiche Sendung „Rap am Mittwoch“ auf. Er konnte nicht mehr, „zu viele negative Emotionen“.
Sehr überrascht war Ben Salomo vom großen Medieninteresse im Gefolge seines Rückzugs aus der Rap-Szene. Er hat ein Buch geschrieben mit dem Titel „Ben Salamo bedeutet Sohn des Friedens“, in dem er sein Verhalten erklärt. Nach dem Vortrag, den StD Benedikt Grimm aus Elly geholt hat, beantwortet er ehrlich und ausführlich viele Fragen seiner tief beeindruckenden Zuhörer. Lang anhaltender Applaus!
Christoph Zänglein