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Klassische Musik mithilfe des Handys erleben?

Von Pia Junghans und Leonie Mauch, 12D

Am Mittwoch, den 13.02.2019, hat der zweistündige Musikkurs von Frau Harr eine Probe des Württembergischen Kammerorchesters Heilbronn (kurz WKO) besucht, um gemeinsam mit den Musikern eine neue App zu testen.
Den Orchestermusikern selbst ist es ein Anliegen, auch jungen Menschen die klassische Musik näher zu bringen. So gibt es zahlreiche Projekte, wie das Jugendprojekt „WKO 360 Grad“, Familienkonzerte und seit neuestem auch Probenbesuche mit der Wolfgang-App.

Diese soll den Schülern mithilfe des eigenen Smartphones ein innovatives Erlebnis bieten und einen besseren Einblick in die Musik ermöglichen. Während des Stücks erscheinen auf dem Display zu passenden Stellen der Musik kurze Texte, die dem Zuhörer einige Hintergrundinformationen liefern. In dem Konzert, das wir besucht haben, wurde die Suite „Aus Holbergs Zeit“ von Edvard Grieg gespielt. In der App erschienen dabei zum Teil Erklärungen zur Form, z.B. zu den einzelnen Sätzen der Suite und deren Herkunft oder auch die Beschreibung einer Affektdarstellung der Orchesterinstrumente wie z.B. die sehnsuchtsvolle Melodie in den 1. Geigen. Diese kurz gefassten Informationen regen den Zuhörer an, sich einem bestimmen Charakteristika der Musik zu widmen und dieses einordnen zu können. Der unerfahrene Zuhörer nimmt eine Melodie in den Geigen war, mithilfe der App deutet er diese als sehnsuchtsvoll und kann das Gefühl der Sehnsucht in der Musik erkennen und sich davon tragen lassen. Die Musik beginnt für den Zuhörer zu sprechen, oder besser gesagt, die Musik spricht und der Zuhörer beginnt diese Sprache verstehen zu können.

Zumindest im Idealfall. Lässt man sich als Schüler zu 100% auf die App in Verbindung mit der Musik ein, so kann man die klassische Musik sicherlich ein Stück weit für sich entdecken. Allerdings ist der Gebrauch einer solchen App für Zuhörer, die bereits Zugang zur klassischen Musik haben nicht notwendig, wenn nicht sogar störend. Mit der App im Konzertraum wird einem der letzte Ort, an dem man noch 1 1/2 Stunden smartphonefreie Zone am Stück erleben darf, genommen. Zudem geht es bei dem Besuch eines Konzerts schließlich um das Live-Erlebnis der Musik und auch der Musiker, das bei Gebrauch der App nicht so intensiv ist wie ohne. Da wir zwei Durchläufe der Suite anhören durften, konnten wir einmal mit und einmal ohne der Wolfgang-App dem WKO zuhören. Ohne App war das Erlebnis in jedem Fall intensiver, da die App ständig durch neue Erläuterungstexte ablenkt und die Atmosphäre im Publikum ganz anders ist, wenn jeder sein Handy auf dem Schoß liegen hat.

Abschließend lässt sich sagen, dass die Wolfgang-App in jedem Fall vor allem für jüngere Schüler eine neue Möglichkeit bietet, einen Zugang zur klassischen Musik zu entdecken. In richtigen Konzerten sollte die App jedoch nicht zum Einsatz kommen, da diese das Konzerterlebnis trübt. Auch wenn klassische Musik in den neuen Generationen scheinbar nur noch wenig Anklang findet, sollte man nicht versuchen diese durch technisch innovative Anreize ins Konzert zu locken, sondern mit den Reizen, die das klassische instrumentale und vokale Musizieren mit sich bringt. Damit der Funke überspringt muss allerdings mehr passieren, als die Musik lediglich zu erläutern. Eine Fremdsprache kann man schließlich auch nicht nur durch Erläuterungen in der eigenen Sprache lernen.